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Ende Januar 2025 habe ich mir einen etwa zehn Jahre alten Traum erfüllt und bin nach Patagonien gereist. Vier Tage lang war ich auf dem W-Trek im Torres del Paine Nationalpark unterwegs – einer der berühmtesten Trekkingrouten der Welt. In diesem W-Trek Tourbericht erzähle ich, wie die Tour wirklich war.

Im Laufe der Jahre bin ich so oft über diese Trekkingtour „gestolpert“, dass mir klar war: sollte ich jemals nach Patagonien kommen, muss ich den W-Trek machen (oder die längere Version, den O-Trek).

Ich bin die Wanderung im Rahmen meiner einjährigen Amerikareise gelaufen, und da das Ganze mehr oder weniger spontan war, habe ich erst im Oktober meine Campingplätze gebucht. Ich war froh, überhaupt noch eine Route zusammenzubekommen, für den längeren O-Trek war ich leider zu spät dran.

W-Trek Überblick

Was ist der W-Trek?

Fakten zur Tour

  • Distanz: ca. 74 km, +2.630 m, -2.550 m
  • Dauer: 4–5 Tage
  • Startpunkt: Camp Paine Grande oder Camp Central
  • Endpunkt: Camp Paine Grande oder Camp Central
  • Hinkommen: öffentlicher Bus & Boot oder eigenes Mietauto
  • höchster Punkt: Aussichtspunkt Base Torres, 870 m
  • Schwierigkeit: Leicht
  • Kosten: sehr hoch
  • Voraussetzung: Campsites müssen im Voraus gebucht werden

Der W-Trek im Torres del Paine Nationalpark gehört zu den bekanntesten Trekkingrouten in Patagonien und wird häufig unter den schönsten Mehrtagestouren der Welt gelistet. Er steht auf vielen Bucket Lists von Wanderern und Nicht-Wanderern gleichermaßen. Für viele ist es ein Must-do auf ihrer Patagonienreise, selbst wenn normalerweise kein Trekking auf dem Programm steht. Und das merkt man der Route anhand der Füllmenge an Menschen auch an 😉

Die Trekkingtour glänzt mit tollen Aussichtspunkten, riesigen Gletschern (Grey & Francés), einem berühmten zweifarbigen Granitbergmassiv (Cuernos del Paine) und drei imposanten Bergtürmen vor türkis funkelndem Gletschersee (die „Torres del Paine“), die mich an die drei Zinnen in Südtirol erinnern. Sogar Pumas und Guanacos kann man während der Wanderung entdecken, wobei ich außer Vögeln keine Tiere zu Gesicht bekommen habe.

Zwischen den Highlights gibt es jede Menge knorrigen Wald (teilweise verbrannt) und Aussichten auf den Lago Pehoé. Ich muss sagen, dass mich die Tour insgesamt nicht ganz so stark begeistert hat, wie ich dachte – die Erwartungen waren aber auch sehr hoch. Mehr dazu im Fazit am Ende meines Erfahrungsberichts.

Aussicht auf dem W-Trek im Torres del Paine Nationalpark
Aussichtspunkt Francés am dritten Tag

Meine Route durch den Torres del Paine

Ich bin den W-Trek in 4 Tagen von West nach Ost gelaufen. Die Route hat sich letztendlich durch die Campingplätze so ergeben: zum einen war nicht wirklich was anderes frei, zum anderen sind die Campingplätze im Ostteil des Parks so teuer, dass ich mir mehr als zwei Nächte nicht leisten wollte.

Karte meiner W-Trek-Route durch den Torres del Paine Nationalpark
Die W-Trek-Route (orange) durch den Torres del Paine Nationalpark

GPS Download W-Trek

Die offizielle Karte des Parks mit allen Wanderwegen kannst du hier herunterladen.

Meine W-Trek Etappen:

  • Tag 1: Start in Paine Grande, Wanderung und Übernachtung im Camp Grey
    11,05 km, +496 m, -465 m
  • Tag 2: Wanderung bis zur ersten Hängebrücke nach Norden & zur Aussicht, anschließend zurück, Übernachtung im Camp Paine Grande
    17,25 km, +728 m, -764 m
  • Tag 3: Wanderung zum Mirador Británico, Übernachtung im Camp Los Cuernos
    23,85 km, +1.277 m, -1.108 m
  • Tag 4: Wanderung zum Mirador Base Torres, Übernachtung im Camp Central
    27,2 km, +1.549 m, -1.521 m

Hinweis zu den Distanzen und Höhenmetern: Das sind die Werte von meiner Garmin Uhr, die ich tatsächlich gegangen bin. Als ich die Tour bei Komoot geplant habe, wurden mir teilweise 200-500 Höhenmeter weniger am Tag angezeigt. Es ist natürlich ein großer Unterschied, ob man 1.000 Meter oder 1.500 Meter auf- oder absteigt.

Wenn du den Trek selbst planen möchtest, findest du alle Infos zu Route, Buchung der Campingplätze und Kosten im W-Trek Planungs-Guide.

Die Wanderungen zu den Aussichtspunkten (Miradores) habe ich jeweils nur mit einem kleinen Jutebeutel ohne mein großes Gepäck gemacht. Am Eingang zum Francés Tal stehen die Häuser eines alten Camps (Italiano), inklusive überdachtem Stauraum für Rucksäcke. Auf dem Weg zum Aussichtspunkt Base Torres musste ich meinen Rucksack allerdings länger tragen. Der Weg ist so viel begangen, dass ich ihn nicht im Gebüsch zurück lassen wollte, und so habe ich ihn im Camp Chileno im Restaurant gelassen.

Im folgenden W-Trek Erfahrungsbericht beschreibe ich meine vier Etappen durch den Torres del Paine Nationalpark.

Das Highlight des W-Trek: Die berühmten Felstürme, Namensgeber für den Nationalpark Torres del Paine
Highlight am letzten Tag: Die berühmten Türme am Aussichtspunkt Base Torres

W-Trek Tourbericht

Zeitraum: 29. Januar bis 01. Februar (Hochsommer)

Tag 1: Paine Grande – Camp Grey

11,05 km, +496 m, -465 m

Mein Campingplatz Campingüino ist gleich neben dem Busbahnhof in Puerto Natales, und so habe ich es nicht weit in der früh. Ich schlafe so lang wie möglich, verstaue mein übriges Gepäck im gemieteten Schließfach und verpasse dann fast meinen Bus um 6:45 Uhr. Die Busfahrt nutze ich für einen 1,5 h Powernap 😁.

Anreise mit Bus & Boot

Am Parkeingang Laguna Amarga müssen wir alle aussteigen und unser Eintrittsticket zum Nationalpark vorzeigen. Es ist ein bisschen verwirrend, da ich dachte der Bus fährt bis nach Pudeto zum Katamaran durch, und es gibt auch nicht wirklich Informationen wo es weiter geht. Ich frage mich ein wenig durch die Leute und die Busfahrer (die ausschließlich Spanisch sprechen) und finde raus, dass der Bus in den Park erst etwas später kommt. Natürlich habe ich gleich etwas Stress, weil zwischen Ankunft des Busses und Abfahrt des Katamarans nur 15 min liegen, aber letztendlich ist das System im Park eine gut geölte Maschine.

Der Bus kommt und wird auch sehr schnell voll (unbedingt Tickets reservieren und ausdrucken/aufs Handy laden, es gibt im Park kein Internet!), und dann beginnt die landschaftlich unglaublich tolle Fahrt bis zum Stopp Pudeto. Von der ich herzlich wenig sehe, da es total regnet und wolkenverhangen ist.

Bei Pudeto laufe ich erst mal in die falsche Richtung und die Hauptstraße weiter hinunter, bis ich merke, wo es wirklich lang geht. Die ca. 20 anderen Leute mit großen Rucksäcken geben einen subtilen Hinweis. Immer wieder spannend, dass ich so große Probleme habe den Startpunkt meiner Wanderungen zu finden. Ich trinke noch einen Kaffee in der Cafeteria und lerne da eine nette Solo-Wanderin kennen, die heute als Tagestour zum Camp Grande und zurück läuft. Leider werde ich sie nicht mehr wieder sehen, da wir unterschiedliche Routenverläufe haben.

Die Bootsfahrt ist cool, im Hintergrund liegt ein großer Berg Rucksäcke und der Katamaran ist gesteckt voll. Leider sieht man von der Landschaft überhaupt nichts.

Pro-Tipp: Wenn ihr mit einer Schaumstoff-Isomatte unterwegs seid, die außen an den Rucksack geschnallt ist, dann nehmt euch unbedingt eine wasserdichte Hülle dafür mit! Z. B. einen Müllsack. Denn sonst riskiert ihr, euch nachts auf eine nasse Isomatte legen zu müssen, und das will niemand.

In Paine Grande angekommen, startet um 11:09 Uhr endlich der Wanderteil meiner Trekkingtour.

3,5 Stunden mit Regen im Gesicht

Es regnet die komplette Strecke, gibt wenig Sicht und es herrscht ein ziemlicher Gegenwind, der an exponierten Stellen unglaublich stark wird und mir den Regen ins Gesicht peitscht. Zum Glück ist die Strecke so kurz, dass ich keine Pause machen muss. Die Aussicht auf den Grey Gletscher ist trotzdem sehr toll und mystisch, ich mache einige Fotos.

Die Aussicht auf den Grey Gletscher, es sieht ein wenig nach Weltuntergang aus 🙂
Und dann erreicht ein kleiner Lichtstrahl für einen kurzen Moment den Gletscher und bringt ihn zum leuchten.

Am Camp Grey angekommen stelle ich fest, dass meine Regenjacke nicht dicht ist: Ich bin von den Schultern nach unten laufend durch alle Schichten durchnässt, auch am Hüftgurt hat es das Wasser bis auf die Unterhose durchgedrückt. Bleibt nur zu hoffen, dass es die nächsten Tage weniger Regen gibt.

Ich habe außerdem einen kleinen Kulturschock, weil so unglaublich viel los ist. Die Menschen und die Atmosphäre ist mir fremd, und ich ziehe mich lieber in mein Zelt zurück und lese (nach der Regendusche muss ich mich eh erst mal im Schlafsack aufwärmen). Für das Abendessen nutze ich aber dann doch dankend die Küche, es regnet immer noch.

Die Campingplätze

Die Refugios, zu denen die Campingplätze im Torres del Paine gehören, sind riesig. Sie haben neben unzähligen zu mietenden Zelten auch Unterkünfte, eine Campingküche, Baderäume (mit Duschen), Restaurants, Bars und Aufenthaltsräume. Ich persönlich fand sie sehr unsympathisch und es hat sich nicht wie Natur angefühlt. Der W-Trek wird oft als „unberührte Natur“, „echte Wildnis“ etc. angepriesen, und wenn man das allererste mal mehrere Tage in einem Nationalpark ist, fühlt sich das vielleicht auch so an. Für mich war es jedoch viel zu viel Zivilisation und es hat mein Erlebnis auf der Trekkingtour auf jeden Fall sehr geschmälert. Für dich zur Einordnung: ich würde die Refugios eher mit Skihütten als mit Alpenvereinshütten vergleichen.

  • reine Gehzeit: 3:19 h
  • Start: 11:09 Uhr; Ende: 14:22 Uhr

Tag 2, Camp Grey – Aussichtspunkt – Camp Paine Grande

17,25 km, +728 m, -764 m

Heute habe ich wieder einen kurzen Tag vor mir und deswegen warte ich im Schlafsack, bis das Trippel Trappel des Regens auf mein Zeltdach aufhört. Dann starte ich mit einer Wasserflasche und meiner Kamera bewaffnet nach Norden, um schöne Ausblicke auf den Grey Gletscher zu erhaschen.

Nach einem starken Anstieg erreiche ich die erste Hängebrücke, die sehr sehr stark im Wind schaukelt. Wirklich sehr stark. Sie ist außerdem ziemlich hoch. Ich stehe eine Weile davor herum und überlege, wie toll die Aussicht weiter oben wohl noch werden wird.

Schließlich entscheide ich, dass die Aussicht nicht die Angstüberwindung wert ist, die ich aufbringen müsste, um diese Hängebrücke zu überqueren. Man muss sich seine Reserven ja gut einteilen und ich möchte noch Nerven für den Rückweg übrig haben.

Für die Überquerung dieser Hängebrücke hat mein Mut nicht ausgereicht.

Ich mache ein paar Fotos aus dem Gebüsch heraus und laufe dann zum nordöstlich gelegenen Aussichtspunkt auf den Grey Gletscher. Ich habe Glück und ein Eisberg ist in die kleine Bucht getrieben, wodurch ich tolle Detail Fotos vom Eis machen kann. Das innere Eis der Eisblöcke ist ganz leuchtend blau, während das Wasser von den Sedimenten grau ist. Fun Fact: Jeder Gletschersee hat eine eigene individuelle Farbe, die von den Sedimenten des Gletschers stammt, aus dem der See entsteht. Kein Wunder dass der See und der Gletscher hier „Grey“ heißen.

Wie man sieht ist es noch ganz neblig. Am Ende des Weges machen zwei Chilenen ein kleines Fotoshooting und ich nutze das tolle Fotomotiv mitsamt chilenischer Flagge 😉.

kleine gletscherkunde

Der Grey Gletscher ist Teil des südlichen Patagonischen Eisfelds (auf Spanisch „Campo de Hielo Patagónico Sur“). Und dieses Eisfeld ist das größte zusammenhängende Gletschersystem der Welt, außerhalb der Polregionen (Nordpol und Antarktis)! Es gibt übrigens auch ein nördliches Patagonisches Eisfeld, das deutlich kleiner ist.

Blick auf das größte nicht-polare Eisfeld

Dieses Eisfeld erstreckt sich über ca. 350 km über die Anden zwischen Chile und Argentinien im südlichen Patagonien (wie der Name vermuten lässt).

Witziger Fun Fact: Es gibt sogar einen Grenzstreit zwischen Chile und Argentinien, da die Gletscherregion um den berühmten Fitz Roy bei El Chaltén nicht genau vermessen werden kann. Auf Landkarten ist hier um die Region einfach ein großes Rechteck gezogen, mit keiner festgelegten Grenzlinie.

Folgende berühmte Orte liegen am südlichen Patagonischen Eisfeld:

  • Torres del Paine Nationalpark
  • der Perito Moreno Gletscher (bei El Calafate)
  • der Berg Fitz Roy (bei El Chaltén)
  • Villa O’Higgins / Lago O’Higgins am Ende der Carretera Austral

Du möchtest mal auf einem Gletscher des südlichen patagonischen Eisfelds laufen? Die Möglichkeit hast du entweder mit einer geführten Tour auf dem Grey Gletscher oder bei einer eigenen Wanderung auf dem Huemul Circuit in El Chaltén. Alternativ kannst du auf dem nördlichen Patagonischen Eisfeld eine geführte Gletschertour in Río Tranquilo machen.

Nach meiner kleinen Gletschererkundung packe ich mein Zelt zusammen (mittlerweile ist alles fast wieder trocken) und starte meinen Rückweg zum Campingplatz Paine Grande. Normalerweise laufe ich den selben Weg nicht so gerne doppelt, aber nachdem das Wetter gestern so mies war und ich fast nichts gesehen habe, bin ich froh jetzt nochmal eine Chance auf Aussicht zu haben.

Der Weg ist erst mal nicht sonderlich spannend und führt weite Teile durch abgebrannten Wald. Mein Highlight sind die Vögel, die ich im Unterholz und den Bäumen erspähen kann.

Dann höre ich plötzlich ein sehr lautes Rumpeln. Zuerst denke ich an Donner, aber das Wetter ist mittlerweile richtig gut? Dann fällt mir der Gletscher ein. War das etwa ein Abbruch? Hört sich das so imposant an?

Und tatsächlich, am Aussichtspunkt Mirador Grey sehe ich, dass zwei riesige knallblaue Eisbrocken im Wasser schwimmen, die vorhin noch nicht da waren.

Die Farbe ist wirklich irre und ich kann dank der sporadischen Sonnenstrahlen ein paar schöne Fotos machen. Das Eis bricht vom Gletscher ab und dreht sich dann, wodurch man den blauen Bauch des Gletschers sieht.

Der Gletscher Grey vom Mirador Grey aus gesehen

Die letzten Kilometer werden dann sehr schön mit toller Aussicht auf die umliegenden Berge und den Lago Grey, was mich an Skandinavien erinnert. Da ich so lange rumgetrödelt habe ist es mittlerweile schon recht spät am Nachmittag und dadurch habe ich den Wanderweg fast für mich alleine, was ich besonders genieße.

Das Refugio Paine Grande ist noch größer als das Refugio Grey, und noch unsympathischer. Aber mein Zelt ist gemütlich und der Schlafsack warm und der Sonnenuntergang sehr schön.

  • reine Gehzeit: ca. 6:54 h
  • Start: 11:45 Uhr; Ende: 18:51 Uhr

Tag 3, Paine Grande – Mirador Británico – Camp Los Cuernos

23,85 km, +1.277 m, -1.108 m

Heute starte ich (für mich) früh: um 9 Uhr. Die ersten Stunden spiele ich mit einigen Leuten das Überhol-Spiel: Sie überholen mich, ich überhole sie. Ich muss ehrlich sagen, das nervt mich immer ein wenig 😉

Ansonsten geht es ganz schön am Lago Skottsberg entlang, immer mal wieder hat man Ausblicke auf die Cuernos (Hörner) del Paine, wegen denen ich unter anderem in den Torres del Paine Nationalpark gekommen bin. Die meiste Zeit geht man aber im Wald und sieht nicht viel. Pipi-Möglichkeiten gibt es Anfangs auch nicht (zu steil, zu viel los, zu sichtbar) was recht bald zu einem Problem wird (wer kennt’s noch? 😅).

Nach 7-8 km erreiche ich das alte Camp Italiano (nicht mehr in Betrieb), an dem ich erst mal Mittagspause mache und dann meinen Rucksack zurück lasse, um die 600 m zum Aussichtspunkt Mirador Británico aufzusteigen.

Auf dem (nicht sonderlich spannenden) Weg dort hin kommt man auch am Mirador Francés vorbei, an dem ich eine Weile dem Gletscher beim abbrechen zuschaue. Äußerst spannend!

Dann geht es weiter durch den Wald bis zum Aussichtspunkt Británico im Talkessel des Valle Francés, wo man schön auf die umliegenden Berge blicken kann. Es sieht sehr alpin aus und ist ein schöner Ausblick, für den man allerdings sehr lange laufen musste.

An dieser Stelle nochmal der Hinweis, dass man die Berge eigentlich wirklich nur an den Aussichtspunkten sieht. Ohne Aussichtspunkt gibt es meist auch keine Aussicht. Ich finde, dieser Aspekt kommt in den meisten Berichten über die Tour nicht so wirklich rüber.

Zurück am alten Camp Italiano und meinem Rucksack sind es dann noch 3 km bis zum Campingplatz Cuernos, der etwas kleiner ist als die zwei ersten. Allerdings ist die Bar direkt neben den Zeltplätzen und generell ist das einfach nicht meine Szene, was hier unterwegs ist.

Insgesamt war es mit 23 km ein sehr langer Tag durch größtenteils unspektakuläre Wege, mit viel zu vielen Menschen. Aber die Cuernos sind schon wirklich tolle Berge.

Auf dem Campground dann noch eine Enttäuschung. Weil der Wind einige Zelte zerstört hat, muss ich in ein normales Zelt einchecken und kann nicht in das gebuchte Hochzelt. Die Ironie des Ganzen: als ich reserviert habe, war die einzige freie Option das de-luxe-Zelt für 150 €, und jetzt muss ich ohne Preisnachlass in einem windigen, muffeligen Mietzelt schlafen (das anscheinend doch frei ist?). Ich bekomme dafür zwar ein Frühstück umsonst, aber zum einen hab ich das dabei und zum andern war das niemals den Preisunterschied wert. Angeblich ist auch keine Plattform mehr frei, so dass ich mein eigenes Zelt nicht aufbauen darf.

Etwas Positives: Ich hab heute auch richtig nette Leute kennen gelernt: eine Deutsche, die mit dem Rad von Puerto Mott bis nach Puerto Natales gefahren ist und viele gute Tipps zu schönen Orten und einer Offline-Karten-App für mich hatte (mapout). Und eine Gruppe Chilenen aus Santiago, mit denen ich ein wenig mein Spanisch üben konnte. Ein kanadisches Paar hat mir in der Pause ihr Sandwich geschenkt (sie hatten den Lunchservice gebucht). Alle diese netten Leute sind den O-Trek gewandert, der insgesamt ca 8 Tage lang ist.

  • reine Gehzeit: ca. 9:20 h
  • Start: 8:40 Uhr; Ende: 18:40 Uhr

Tag 4: Los Cuernos – Mirador Base Torres – Camp Central

27,2 km, +1.549 m, -1.521 m

Das kostenlose Frühstück ist mittelmäßig, aber dafür bin ich auf dem Trail alleine. Die ersten 5 bis 10 km sind richtig schön zu gehen, mit toller Sicht auf den See und die südlichen Hügel. Die Landschaft erinnert mich ein bisschen an Island, während in meinem Rücken alpenähnliche Berge aufragen. Kurz gesagt: meine Wohlfühl-Landschaft.

Es ist ziemlich heiß und irgendwann geht mir das Wasser aus, bevor ich beim Campground Chileno ankomme. Kurz vor dem Camp läuft mein kleiner Trail mit dem Hauptwanderweg vom Camp Central zusammen und der Weg wird sehr breit. Auf einmal finde ich mich inmitten vieler Tageswanderern wieder. Landschaftlich ist es aber nach wie vor schön, der Weg führt ein enges Tal hinauf.

Am Camp Chileno mache ich Mittagspause und lasse im Restaurant meinen Rucksack zurück. Dann geht es 400 m und 5 km mehr oder weniger steil durch einen Waldweg nach oben zum berühmten Fotospot der Torres (Türme) del Paine. Mir kommen Horden von Leuten entgegen und teilweise muss ich warten bis eine Gruppe von 30-40 Leuten vorbei gegangen ist. Die Base Torres Wanderung ist sehr beliebt, vor allem bei Chilenen.

Oben ist es schon sehr schön, und da es mittlerweile 17 Uhr ist, auch nicht mehr so voll. Ich bleibe eine Weile da und mache viele Fotos, für den besten Selfie-Spot auf einem Felsen muss man sich anstellen. Je nach Sonneneinfall verändert sich die Farbe des Sees.

Da die Stimmung nicht zum verweilen einlädt laufe ich bald wieder runter. Am Camp Chileno mache ich nochmal kurz Pause und gönne meinen Füßen eine schuhfreie Zeit, weil sie mir mittlerweile schon ziemlich weh tun. Meine Bergstiefel sind eher für unwegsames Terrain als für langes einfaches Wandern ausgelegt.

Dann geht es bergab zum Campground Central, was sich ziemlich zieht. Am Ende schmerzen meine Füße schon sehr stark und ich schleppe mich bis zur Rezeption. Mein kleiner Zeh ist ein bisschen wund, zum Glück hab ich meine Schlappen dabei.

Diesmal habe ich eines der coolen Hochzelte. Insgesamt fühle ich mich aber etwas vom Anbieter verarscht, denn als ich gebucht habe gab es keine freien Plätze mehr für ein eigenes Zelt. Die freie Zeltfläche am Campingplatz würde aber locker noch Platz für ca. 200 Zelte bieten. Ich entdecke ca. 5–10 andere Zelte, die verteilt auf dem riesigen Gelände stehen.

Endlich darf ich meiner Reservation entsprechend in einem dieser fancy Hochzelte schlafen.

Nach einer heißen Dusche und einem schnellen Essen geht’s dann auch gleich ins Bett. Hier gibt es zur Abwechslung nur ein Kochzelt und kein richtiges Gebäude, aber es gibt ebenfalls kostenloses heißes Wasser für Tee und Trekkingessen.

Nachts gibt es dann noch ein unfreiwilliges Abenteuer: Als ich nochmal raus und aufs Klo muss finde ich mein Zelt nicht mehr und irre 20 min auf dem Zeltplatz rum, weil im Dunkeln einfach alles gleich aussieht 😅.

Insgesamt bin ich mittlerweile froh, morgen weiter fahren zu können und den vollen W-Trek hinter mir zu lassen.

  • reine Gehzeit: ca. 10:30 h
  • Start: 8:00 Uhr; Ende: 19:55 Uhr


Fazit – meine W-Trek Erfahrungen

Ich muss sagen, dass ich den W-Trek nicht uneingeschränkt weiter empfehlen kann. Ich habe oft auf dem Trail gedacht „und davon sind alle so begeistert?“ oder „und das ist jetzt dieser weltberühmte Trek?“, weil ich es einfach nicht so gefühlt habe.

Wenn ich mir die Fotos anschaue verstehe ich den Hype, aber die Wahrheit ist, dass es wenige Aussichtspunkte auf der Strecke gibt und man größtenteils durch Wald läuft. Die ersten zwei Tage noch dazu durch abgebrannten Wald. Ich habe mit einer eher bergigen Tour gerechnet und war von der Realität doch recht überrascht.

Dazu kommt: Man läuft andauernd die gleiche Strecke doppelt, was ich persönlich auf Dauer etwas langweilig finde. Dazu kommt, dass es aufgrund der Beliebtheit und der Infrastruktur kein wirkliches „Naturerlebnis“ ist, wie ich das erwartet hatte, und dass es extrem teuer ist.

Mich persönlich reizen Trekkingtouren mehr, die ein durchgehend tolles (einsames) Naturerlebnis bieten, als Touren, die ein tolles Fotohighlight haben. Und ich habe das Gefühl, der W-Trek hat hauptsächlich dieses eine tolle Fotohighlight mit dem Aussichtspunkt Base Torres – was man eben auch als Tagestour machen kann.

Ich habe natürlich viele Mitwanderer und andere Reisende in Patagonien nach ihrer Meinung gefragt, um zu sehen, ob ich mit dieser Ansicht alleine bin. Das Ergebnis: „Ersttäter“ waren fast immer begeistert. Erfahrene Wanderer waren entweder wie ich enttäuscht – oder aber auch begeistert. Es ist also meine individuelle Empfindung, aber mir ist es wichtig, transparent über meine Eindrücke zu schreiben.

Ich kann dir also den W-Trek empfehlen wenn:
  • du Anfänger bist und noch nicht so viel Erfahrung hast
  • du gern und viel durch Wald läufst
  • es OK ist, nur manchmal Aussichten zu haben
  • Geld keine Rolle spielt
  • dir ein überfüllter Trek nichts ausmacht
  • dir Restaurants und Bars am Abend nichts ausmachen

Du bist Anfänger? Für dich habe ich eine W-Trek Packliste mit vielen Tipps zusammengestellt, damit du weißt was du brauchst und warum.

Ansonsten würde ich dir andere Trekkingtouren in Patagonien empfehlen, wie z. B. den Dientes de Navarino in Feuerland (die südlichste Trekkingtour der Welt), den Huemul Circuit in El Chaltén, Argentinien oder den Cerro Castillo Trek, der ebenfalls für Anfänger geeignet ist.

Letzendlich bin ich aber durchaus froh, den W-Trek gegangen zu sein. Wie ich mich kenne hätte ich ansonsten andauernd das Gefühl, etwas verpasst zu haben – weil ja alle darüber reden und so begeistert sind. Manche Dinge muss man einfach selbst ausprobieren und sich eine eigene Meinung darüber bilden 😉

Wäre es aber die einzige Trekkingtour meiner Patagonien-Reise gewesen, wäre ich sehr enttäuscht worden.


TIpp: Erweiterung Campingplatz Pehoé

Viele Beiträge zum W-Trek werben mit einem Bild der Cuernos del Paine, das man so auf der Trekkingtour überhaupt nicht zu Gesicht bekommt. Bestimmt hast du das Bild auch schonmal irgendwo gesehen, sei es als Bildschirmhintergrund oder Dekoration auf Anzeigetafeln:

Die Cuernos del Paine im Morgenlicht

Dieser Blick war einer der Hauptgründe, warum ich den W-Trek laufen wollte. Natürlich war ich also enttäuscht, dass ich es so nicht gesehen habe. Und natürlich habe ich mich umso mehr gefreut, dass ich vom Camping Pehoé genau diesen Blick für zwei ganze Tage genießen konnte! (und das aus einem beheizten Restaurant mit gemütlichem Sitzplatz heraus)

Zum Camping Pehoé kommt man ganz einfach mit dem selben Bus, mit dem man am Anfang der Trekkingtour auch zum Katamaran nach Pudeto gefahren ist. Es ist einfach eine Haltestelle weiter und man steigt direkt bei der Rezeption aus.

Mehr zu den Aktivitäten und weitere Unterkünfte im Torres del Paine findest du in meinem Guide, inklusive detaillierter Anreise und Kosten.

Die Cuernos del Paine im Abendlicht

Tag 5: Fahrt zu Camping Pehoé

Morgens laufe ich frühzeitig vom Camp Central zum Welcome Center, was aufgrund eines Umwegs meinerseits nochmal 15–20 min dauert. Es gibt keinen wirklichen Fahrplan für das Shuttle zum Parkeingang Laguna Amarga, von wo aus der Bus zum Camping Pehoé fährt, aber im Welcome Center hängt ein Infoschild mit ungefähren Abfahrtszeiten und ich habe noch genügend Zeit für einen kleinen Frühstückskaffee. Das Ticket für das Shuttle kann man auch gleich dort kaufen.

Nach einer spektakulären Fahrt durch den Park, auf der wir sogar Guanacos in den Bergen sehen, komme ich schließlich noch am Vormittag am Camping Pehoé an. Ich darf mir einen Campingplatz aussuchen, es gibt verschiedene Zonen. Entweder man hat Windschutz, oder man hat eine gute Aussicht. Da im Moment der Wind nachgelassen hat und mein Zelt doch recht windstabil ist, wähle ich natürlich die gute Aussicht.

Der Campingplatz ist wirklich wunderschön und auch wenn ich dir den W-Trek nicht uneingeschränkt empfehlen kann, lege ich es dir sehr ans Herz, hier 1–2 Nächte zu verbringen und einfach nur die Aussicht zu genießen. Man kann auch von hier mit einigen Tageswanderungen starten. Der Zeltplatz kostet ca. 17 € pro Nacht, nach den 150 € Zeltplätzen auf dem W-Trek eine wahre Wohltat für den Geldbeutel.

Das einzige Manko ist, dass die Bäder etwas dreckig sind, während meiner Zeit dort nicht geputzt wurden und as Klopapier nicht wirklich oft aufgefüllt wird. Für so eine kurze Zeit konnte ich aber darüber hinweg sehen.

Außerdem gibt es auch hier kein Internet, im ganzen Park gibt es kein Netz. Wlan kann man zwar kaufen, kostet aber ca 10€ für 30-60 min.

Es gibt ein Restaurant mit grandioser Panoramasicht und ultra teurem Essen sowie kleinem Mini-Laden. Ich leiste mir eine kleine Packung Oreos für 4€ und Abendessen. Dann verbringe ich den ganzen Tag am Fensterplatz, fotografiere immer wieder die Berge mit Wolken und Sonne und kuriere meine Füße, die wegen der festen Bergstiefel von den letzten zwei Etappen immer noch sehr lädiert sind. Beim Abendessen lerne ich zwei US-Amerikaner aus Idaho kennen, die mir den Bundesstaat für Wanderungen im Sommer empfehlen.

Hab ich schon erwähnt wie schön die Aussicht gleich hinter meinem Zelt war?

Tag 6: kleine Wanderung auf den Mirador Condòr

Heute steht eine kleine Wanderung mit 200 Höhenmetern auf einen Aussichtsberg direkt hinter dem Campingplatz auf dem Programm. Von oben hat man eine gigantische Sicht auf den Lago Pehoé und die gesamte Bergkette vom Torres del Paine Nationalpark. Leider hat man durch den seitlichen Winkel von hier oben einen kleinen Hügel vor den Cuernos, weswegen mir aus fotografischer Sicht der Blick unten vom Wasser besser gefällt.

Eigentlich wollte ich hier oben auf den Sonnenuntergang warten, aber es ist doch sehr windig und dadurch kalt, und soo spannend ist die Aussicht dann auch wieder nicht 😄. Ich entspanne noch ein wenig und genieße die grandiose Sicht, die ich auf dem Gipfel alleine für mich habe. Dann geht es sehr schnell wieder runter und ich wärme mich im Restaurant wieder auf.

Etwas hinter dem Restaurant gibt es einen kleinen Aussichtsfelsen direkt am Wasser, an dem ich schließlich den Abend verbringe. Er hat die schönste Aussicht und ich kann ein tolles Portrait von einem der Schopfkarakaras machen.


Tag 7: per Anhalter zum Parkeineingang, Rückfahrt Puerto Natales

Morgens schaue ich nochmal beim Aussichtsfelsen für ein paar Schnappschüsse vorbei.

Da es mir hier allein am Campingplatz ohne Internet und einer sinnvollen Beschäftigung langsam langweilig wird, beschließe ich per Anhalter zum Parkeingang zu fahren und dort nach den Busverbindungen nach Puerto Natales zu fragen. Meine Füße schmerzen mir noch zu sehr, als dass ich Lust auf eine weitere Wanderung hätte.

Das dritte Auto nimmt mich auch gleich mit und ich habe ultra Glück, da die Fahrer ein deutsches Pärchen in ihren späten 50er Jahren sind. Sie erzählen von ihrer Arktis-Expedition die sie während ihrer 7-wöchigen Reise gemacht haben und halten oft für Fotos an. Wir sehen nochmal Guanacos und Kondore und da die Frau Hobbyfotografin ist machen wir vieeeele Fotos – ein Traum!

So SÜSSSS!!!

Beim Parkeingang muss ich dann noch 3 Stunden auf den nächsten Bus warten und komme abends um 5 Uhr wieder in Puerto Natales an. Ich dusche erst mal in der schön sauberen Dusche meines Zeltplatzes Campingüino, ziehe endlich frische Kleidung an und gehe dann einen pornös großen Burger essen. Ich kann euch das Restaurant The Patagonien Burger & Beer nur ans Herz legen (auch wenn es auf Google Maps meiner Meinung nach nicht so ansprechend aussieht), es war extrem lecker und ich musste deswegen am nächsten Tag gleich nochmal dort Essen.


Warst du schon auf dem W-Trek wandern oder möchtest du die Tour gerne gehen? Hast du noch Fragen? Sag mir gern in den Kommentaren deine Meinung!


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Mehr zum W-Trek und Torres del Paine:

-> W-Trek & O-Trek: der ultimative Guide für deine Planung 2026
-> W-Trek Packliste: meine Ausrüstung für Torres del Paine & Patagonien
-> Torres del Paine auf eigene Faust: So planst du deinen Besuch im Herzen Patagoniens

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