Zum Saisonstart zum Wandern in den Rosengarten nach Südtirol zu fahren hat einen großen Vorteil: Während Anfang Juni die Hütten in Österreich und Deutschland of noch unter Schnee begraben sind, ist es hier schon angenehm warm. Die perfekte Voraussetzung für eine kleine Frühlings-Wandertour in den Bergen! Während die Dolomiten mit ihren steinernen Gipfeln ein monumentales Panorama bieten, wandert man oft über grüne Wiesen und durch blühende Frühlingsblumen.
Und das besten an den Felstürmen der Dolomiten? Man hat morgens und abends fast garantiert ein spektakuläres Alpenglühen.
Der Naturpark Schlern-Rosengarten liegt keine Stunde östlich von Bozen und lässt sich dadurch gut mit einem Besuch der schnuckeligen Stadt verbinden. Vor oder nach dem Wandern kann man auch noch gut berühmte Fotospots von Südtirol wie den Pragser Wildsee, den Karer See, die Seceda oder die Seiser Alm besuchen. Falls euch diese Namen nichts sagen: Nutzt die Google-Bildersuche, die Motive habt ihr sicher schon einmal irgendwo gesehen ;).

Überblick der Tour im Rosengarten
Unsere Wanderroute führt uns von St. Zyprian in drei Tagen einmal um den Rosengarten herum.
Am vierten Tag haben wir eine Tagestour gemacht, die verkleinerte Version der Rosengartenrunde mit einem Klettersteigversuch. Den Klettersteig mussten wir wegen meiner Höhenangst abbrechen.
Die Karte der dreitägigen Hüttentour findet ihr hier bei Alpenvereinaktiv.
- Etappe 1: St. Zyprian – Schlernhaus | 6,45 km, 1.320 m bergauf, 70 m runter
- Etappe 2: Schlernhaus – Graßleitenpasshütte | 9,25 km, 670 m bergauf, 530 m runter
- Etappe 3: Grasleitenpasshütte – Kölner Hütte – Frommer Alm im Tal | 9,67 km, 440 m bergauf, 1.280 m runter
- Tag 4: Tagestour von der Talstation der Paolina-Bahn über die Paolina-Hütte und den Vajolonpass | ca. 12,5 km, 970 m bergauf, 970 m runter
Wenn ihr Klettersteig-Fans seid: Im Rosengarten-Gebiet gibt es unzählige gute Klettersteige. Oft kann man statt dem Wanderweg einen Klettersteig machen, z. B. an Tag zwei über die Roterdspitze und den großen Rosszahn zur Tierser Alpl Hütte.
Anreise
Mit dem Zug oder Auto nach Bozen, von dort weiter nach St. Zyprian.
Start der 3-Tages-Wanderung ist auf dem kostenlosen Parkplatz des Weißlahnbad in St. Zyprian bzw. der gleichnamigen Bushaltestelle.
Ende der 3-Tages-Wanderung ist die Frommer Alm im Tal unter der Kölner Hütte, von dort könnt ihr mit der Buslinie 186 zurück zum Auto fahren (ca. 20 min Fußweg am Ende).
Unter diesem Link könnt ihr die Fahrpläne der Busse herunterladen: Südtirolmobil.it
Busverbindungen bei Anreise mit den Öffis: von Bozen mit der Linie 185 oder 186 nach St. Zyprian, von dort aus mit der Linie 176 zum Weißlahnbad. Am Ende des dritten Tages könnt ihr von der Frommer Alm mit der Linie 186 zurück nach Bozen fahren.
Zur Paolina-Sesselbahn für die Tagestour an Tag 4 fährt der Bus Nr. 180 oder 186 von Bozen. Da die Nr. 186 auch in St. Zyprian hält, ist es vermutlich sinnvoller, dort zu übernachten.
Anforderungen
Es handelt sich um eine alpine Tour mit ausgesetzten Passagen. Voraussetzung ist daher:
- Trittsicherheit
- Schwindelfreiheit
- eine gute Kondition
Für den optionalen Klettersteig an Tag vier benötigt ihr außerdem ein Klettersteigset und einen Helm.

Unterkünfte
Ihr könnt eure erste Nacht entweder in Bozen oder in St. Zyprian verbringen, bei letzterem habt ihr eine sehr kurze Anfahrt.
Es gibt im Rosengartengebiet recht viele Hütten, so dass man hier im Prinzip die freie Auswahl hat und sich seine Wandertour individuell zusammenstellen kann. Wir haben folgendermaßen genächtigt:
St. Zyprian – der veraltenhof
St. Zyprian ist klein und wir waren außerhalb der Hauptsaison dort, deswegen konnten wir spontan am Tag der Anreise in der Touristeninformation unser Zimmer buchen. Ansonsten empfiehlt es sich, frühzeitig zu reservieren, damit man auf alle Fälle noch etwas bekommt.
Wir haben im Veraltenhof übernachtet. Es handelt sich um einen Agriturismo Betrieb (Bauernhof + Unterkunft) mit extrem netter Wirtin. Wir haben uns sehr wohl gefühlt und als wir spontan nach zwei Tagen zurück kamen, bekamen wir unser altes Zimmer zurück 🙂
Schlernhaus / Refugio BOlzano (2.547 m)
Das Schlernhaus ist eine der größten Alpenhütten in der ich bisher war, es thront wunderschön auf dem Schlern in atemberaubender Umgebung. Da wir an den ersten Tagen nach der Eröffnung dort waren, gab es kaum andere Gäste und das Gebäude war noch sehr kalt.
Grasleitenpasshütte / rifugi Passo Principe (2585 m)
Die Grasleitenpasshütte ist eine sehr süße kleine Hütte, die ebenfalls wunderschön auf dem gleichnamigen Pass zu Fuße des Kesselkogels liegt. Zum Abendessen haben sich alle gemeinsam im Esszimmer versammelt und gemeinsam gegessen, es herrschte eine tolle familiäre Atmosphäre. Die Hütte hat sich einen Platz in meinem Herzen erobert und ist eine meiner Lieblings-Alpenhütten.
Achtung: Die Hütte ist nicht vom Alpenverein betrieben und kostet daher etwas mehr.

Beste Reisezeit für Südtirol
Südtirol eignet sich den ganzen Sommer lang zum wandern. Die Haupteinschränkung sind die Öffnungszeiten der Hütten:
Schlernhaus: 06. Juni bis 11. Oktober 2026
Grasleitenpasshütte: 06. Juni bis 04. Oktober 2026
Ich persönlich liebe die Frühlings- und Herbstsaison in den Alpen am meisten. Im Frühling hat man die vielen Blumen und im Herbst färbt sich alles golden und das Licht wird weich. Außerdem ist von Mitte Juli bis Mitte September Hauptreisezeit, da wird es richtig voll – ich versuche diese Phase immer zu vermeiden. Das Schlern-Rosengartengebiet ist ein sehr beliebtes Wandergebiet und obwohl die Saison in Südtirol erst begonnen hatte, war bei uns schon recht viel los.
Die italienischen Alpenvereinshütten
Wir sind Mitglieder im Alpenverein und eigentlich gewöhnt, damit günstig zu übernachten. Allerdings gehören viele der Hütten in Südtirol nicht zum Vereinsbund, wodurch die Preise deutlich höher liegen.
Der unschlagbare Vorteil der italienischen Hütten: es gibt ECHTEN italienischen Cappuccino! Sagt ciao zum deutschen Filterkaffee am Morgen und genießt dazu auf den meisten Hütten noch richtig gutes Essen.
Südtirol ist bekanntlich zweisprachig, und wir trafen sowohl deutschsprachige Gastwirte wie auch italienische. Aber auch wenn die englischkenntnisse bisweilen nicht perfekt sind, kann man sich überall gut verständigen.
Der Tourbericht: 4 Tage Wandern im Rosengarten in Südtirol
Tag 1: Über die Bärenfalle zum Schlernhaus
6,45 km, 1.320 m bergauf, 70 m runter – Mittwoch, 07. Juni
Vom Parkplatz des Weißlahnbad in St. Zyprian wandern wir erst mal durch den Wald bergauf. Irgendwann geht das dann in Geröll über, es ist sehr steil und man läuft viel in der Sonne: wir kommen in unseren T-Shirts ganz schön ins Schwitzen, obwohl man beim ausatmen den Atem sieht. Es wirkt wärmer als es letztendlich ist…
Der Weg ist sehr einfach und gut ausgetreten, man merkt dass hier normalerweise ziemlich viel los ist.
Dann kommt die Bärenfalle: in den Steilhang gebaute Holztreppen. Da ich Höhenangst habe find ich sowas immer etwas gruselig, aber es gibt Seilgeländer zum festhalten 🙂

Oben gibts bei schöner Aussicht auf Rosengarten und Latermar Mittagspause.

Wir beschließen, noch einen Abstecher zur Sesselschwaige für einen Kaffee & Kuchen zu machen, auch wenn das einige Höhenmeter mehr bedeutet. Es ist einfach zu verlockend, in Italien bekommt man überall guten günstigen Cappuccino 😉
Da wir jetzt immer höher kommen hat man wirklich tolle Ausblicke, vor allem auf den Rosengarten. Ich bin schon gespannt wie es ist, dort herumzuwandern. Von hier sieht es doch sehr geröllig aus… Ich weiß, dass irgendwo da drin Pässe sind, kann mir aber nicht vorstellen, wie man über diesen Felsriegel irgendwo drüber kommen kann. Naja, wird sich dann vor Ort schon klären 😉

Auf dem letzten Stück wandern wir mit leichter Steigung über eine Wiese zum Schlernhaus.

Wir checken erstmal ein (es ist ca 4 Uhr) und gehen noch schnell auf den Monte Pez, von dem man eine grandiose Aussicht vor allem nach Norden hin zu den Zentralalpen hat. Außerdem sind ein paar Sturmwolken runderhum aufgezogen, was eine wirklich tolle Kulisse ergibt.


Es wird immer kälter. Das Schlernhaus ist riesig, hat erst vor ein paar Tagen geöffnet und ist dementsprechend durchgekühlt. Wir flüchten in den Speisesaal (das ist wirklich ein riesiger hoher Saal), der nur von einem minikleinen Heizlüfter beheizt wird. Nach Tee und Spagetthi ist mir immer noch kalt. Da jetzt aber Sonnenuntergang ist, müssen wir trotzdem raus und Fotos machen. 😉

Jetzt sind wir endgültig durchgefroren und verziehen uns in unser eiskaltes Zimmer…
Tagesfazit: Der Aufstieg zum Schlernhaus ist anfangs recht steil, die Etappe ist aber nicht anspruchsvoll. Ich würde sie insgesamt als nicht anstrengend bezeichnen, da ich am nächsten Tag keinen Muskelkater hatte ;). Schön geeignet, um ins Wandern reinzukommen.
Tag 2: Über den Molignon Pass zur Grasleitenpasshütte
9,25 km, 670 m bergauf, 530 m runter – Donnerstag, 08. Juni
Beim Frühstück erzählen sie uns dass es nachts 0° hatte und als wir loswandern sind die kleinen Seen am Wegesrand noch kopmlett zugefroren. Ich bin beruhigt, es war also wirklich kalt und ich bin kein komplettes Weichei 😉

Dann gibt es die erste Murmeltiersichtung:

Der Weg über den Schlern ist ziemlich einfach und verläuft ohne viel Höhenmeter Richtung Rosengarten. Wir wandern an der Tierser Alpl vorbei, welche man schon ein modernes Alpenhotel nennen kann. Aber guten Kaffee machen sie und das rote Dach sieht schön aus. Und es gibt super viele Murmeltiere 😀

Danach gehts mit Seilversicherung rauf Richtung Rosengarten. Oben machen wir erst mal Mittagspause:

Ich muss aber gestehen, dass ich mir langsam mal einen Kulissenwechsel wünsche. Irgendwie hatte ich mir die Dolomiten „bergiger“ vorgestellt und ich sehne mich ein bisschen zu den fernen weißen Bergen der Zentralalpen hin… 😉
Wir wandern weiter, nach dem Molignon Pass geht es steil bergab in den Grasleitenkessel. Hier habe ich also meinen Kulissenwechsel. Ein reiner Schotterweg der steil nach unten führt. Ich mag Schotter nicht, da ich darauf einfach nicht gut gehn kann. Der Abstieg ist aber zum Glück nicht schwierig und macht daher schon Spaß.



Der Weg hoch ist steil und recht anstrengend, man kann ihn aber gut gehen. Ich bleibe immer wieder hechelnd stehen und wünschte, ich hätte vor der Tour etwas mehr Ausdauer trainiert 😀
Oben werden wir aber mit einer sehr schönen Hütte, einem tollen Ausblick in ein schönes Tal und einem sehr netten Wirt belohnt. Kurz zur Hütte: ich finde sie ist eine der schönsten, in denen ich bisher war. Klein, gemütlich, familiär. Und sie hat durch Solar betriebene warme Duschen, was nach so einem Anstieg einfach himmlisch ist! Wir sehen eine Familie wieder, die ich schon im Schlernhaus gesehen habe (Der Sohn Leo ist sehr gesellig und freut sich über uns als Redepartner und Saure-Schlümpfe-Lieferanten). Sie borgen uns netterweise ihre Karte damit wir uns unsere morgige Etappe zusammenstellen können. Beim Abendessen lernen wir noch einen Vater mit seinen zwei Kindern kennen, der hier einige Klettersteige gemacht hat.
Wir schmieden den Plan, doch noch unsere Klettersteigsets auszuprobieren. Der Vater und der Hüttenwirt Sergio (ein Bergführer) empfehlen uns den Rotwandsteig. Wir sind noch nie einen Klettersteig gegangen, haben aber Erfahrung durchs Klettern und Bouldern und der Steig wird von ihnen als einfach beschrieben. Also beschließen wir, morgen zum Auto zu gehen, die Sets zu holen und übermorgen den Klettersteig zu machen.
Tagesfazit: Eine schöne Strecke, die durch den letzten Anstieg zwar durchaus anstrengend, insgesamt aber nicht sehr anspruchsvoll ist. Wir sind ca um 4 am Ziel angekommen und haben zwei Pausen gemacht.
Tag 3: Über das Tschager Joch zur Kölner Hütte und zurück nach St. Zyprian
9,67 km, 440 m bergauf, 1.280 m runter – Freitag, 08.Juni
Wir stehen mit den anderen früh auf, Frühstücken gemütlich (Cappuccinoooo) und wandern dann los. Irgendwie schaffen wir es immer, die letzten zu sein. 🙂
Den gewünschten Kulissenwechsel habe ich jetzt endgültig bekommen: Es geht jetzt inmitten des Rosengartens nach unten. Der Weg ist zwar nicht so spannend, eine breite Schotterpiste und ab der Vajolethütte wird es eine richtige Jeep-Straße, aber immerhin hat man viel zu gucken. Ich mach dauernd Fotos und bin ganz begeistert.

Ich beobachte immer wieder die rechte Talseite. Irgendwo hier muss es mal hochgehen, rauf zum Joch. ich versuche mich an die Karte zu erinnern. Aber hier ist alles so gut ausgeschildert, wir werden die Abzweigung bestimmt nicht verpassen…
…tun wir dann doch und schließlich merken wir an der riesigen Refugio Stella Alpina, umgeben von italienischen Touris die hier ein bisschen Bergluft schnuppern, dass wir völlig falsch gelaufen sind. Also müssen wir die 300 HM, die wir gerade runter sind, wieder hoch. Ich muss ehrlich gestehen dass ich die nächsten 2h ziemlich sauer und genervt bin, ich hasse es, sinnlose Strecken zu laufen. Zum Glück sind solche Umwege meiner geduldigeren Hälfte egal und ich war ja für Planung usw zuständig ;). Nach Snickers und nem Riegel ging es dann auch wieder einigermaßen.

Wenigstens wird die Aussicht immer besser und ich kann mit meinem umfangreichen Südtirol-Wissen prahlen: „schau, da hinten ist die Marmolada!“ 😀
Nach der Erwähnung von Marmelade müssen wir ungedingt Mittagspause machen. Danach treffen wir dann den eigentlichen Weg wieder und meine gute Laune ist wieder hergestellt. Der Weg zum Tschager Joch wird dann auch richtig interessant mit kleinen Kraxelstellen. Ich bin aber ganz froh dass es hochging und ich nicht runter musste. 🙂
Wir halten immer wieder an und schauen ins Tal zurück. Ich würde sagen, das ist der schönste Teil der Wanderung bisher, wenn auch der anspruchvollste. Man muss schon trittsicher sein und bei den sehr rutschigen Altschneefeldern aufpassen wo man hintritt.


Oben angekommen bin ich zuerst sehr gespannt was hinter dem Joch liegt, und dann fast etwas enttäuscht, dass es der altebekannte Blick ins Tierser Tal und gen Norden ist. Natürlich ist das ein sehr schöner Blick, ich würde allerdings lieber noch länger auf der anderen Seite bleiben. Da ist man einfach „mittendrin“ in den Südtiroler Bergen.
Und vor allem mach ich mir fast in die Hose als ich den steilen Schotterabstieg sehe.
Es geht gefühlt senkrecht nach unten und im Hintergrund sieht man gefühlte 5000m auf den Talboden. Meine Höhenangst ist von der Leine gelassen und ich trau mich nur im Schneckentempo mit Stöcken voran. Leider hat mein Freund auch Höhenangst und so stellen wir uns beide ziemlich an, bis uns ein Pärchen leichtfüßig überholt.
Wir sehen jetzt, dass der Weg nicht sonderlich viel steiler ist als gestern und die weite Aussicht ins Tal dem Hirn einen Streich spielt. Außerdem gibt es immer wieder kurze Holzbrücken und Stahlsicherungen. Von da an geht es besser, bald ist das steile Schotterstück auch überwunden und es geht normal weiter.
Kurz vor der Kölner Hütte kommt noch eine kurze leichte klettersteigartige Passage, die aber durchgehend gut mit Stahlseilen gesichert ist. Ein schönes Stück das viel Spaß macht.
Nach kurzer Pause an der Kölner Hütte (die sehr teuer, sehr groß und nicht sonderlich einladend ist) geht es weiter auf einer Straße ins Tal. Kein schönes Stück. Langsam tun mir auch die Füße weh, der Weg zieht sich ungemein.
Unten fahren wir mit dem Bus nach St Zyprian und müssen dann nochmal 15-20 min zu unserem Auto den Berg hochlaufen. Ziemlich müde (Immerhin ist es mittlerweile nach 7 Uhr und wir waren den ganzen Tag unterwegs) fahren wir wieder zu unserer alten Unterkunft die zum Glück noch ein Zimmer frei hat und schauen uns im Internet die Route für den morgigen Klettersteig an.
Tagesfazit: Eine sehr schöne Strecke, das Tschager Joch ist finde ich schon anspruchsvoll, man sollte Trittsicher sein. Ohne den unfreiwilligen Abstecher ins Tal wäre es auch nicht so anstrengend, insgesamt ist es eine gute Tagestour.
Tag 4: Klettersteig Versuch und verkleinerte Rosengartenrunde
Ca. 12,5 km, 970 m bergauf, 970 m runter – Samstag, 10. Juni
Wir packen unser Zeug und fahren Richtung Karer Pass zur Seilbahn, die zur Paolina Hütte führt. Mein Freund ist total aufgeregt und schlägt vor, doch stattdessen in die Sauna zu fahren :). Ich spüre null Aufregung und freue mich schon ungemein auf den Klettersteig. Allerdings habe ich von gestern einen ziemlichen Muskelkater.

Oben machen wir Kaffeepause und treffen witzigerweise zufällig meine Schwester, die auch grade in Südtirol Urlaub macht. Die Pause wird also länger als geplant.
Dann wandern wir auf gewohnt einfachen Wegen weiter Richtung Vajolonpass. Über uns thront die Rotwand. Je näher wir zum Pass kommen desto unwohler wird mir. Alles voller Schotter. Der Pass wird immer unangenehmer und ich merke, wie ich immer nervöser werde. Mir wird schon mulmig vor der Höhe, wenn ich mich umdrehe und ins Tal schaue. Mein Freund versichert mir, dass der Weg nicht schwerer ist als der gestrige, aber ich habe ziemliche Probleme damit.
Nach einer Leiter gehts dann richtig los, oft sieht es so aus als wäre der Weg weggebrochen und man muss kleine Stellen klettern. Meine Nerven liegen blank. Umkehren will ich aber auch auf keinen Fall, diesen Weg kriegen mich keine 10 Pferde mehr nach unten.
Vor uns ist eine Gruppe Italiener, einer verliert seine Sonnenbrille und kommt uns entgegen. Mein Freund entdeckt sie auf einem kleinen Felsvorsprung weiter unten. Der Italiener macht einen großen Sprung, kämpft kurz ums Gleichgewicht (ist ja nicht so als würde es da erst mal 20m senkrecht nach unten und dann nochmal 200m runter gehen), hebt die Brille auf und hüpft zurück. Schön zu sehen wie es ist, wenn man keine Höhenangst hat…
Als wir endlich oben sind bin ich total unterzuckert, zittrig und habe ziemlich große Angst vor dem riesigen Ungetüm an Berg, auf den ich heute morgen ernsthaft hoch wollte?!
Was hab ich mir nur dabei gedacht?


Lustigerweise ist mein Freund jetzt hochmotiviert und hat gar keine Angst mehr. Also machen wir erst mal Mittagspause, befragen ein paar Leute die den Klettersteig nach unten kommen und entschließen uns dann, so weit zu gehen wie ich eben kann.


Zusammengefasst: Der Klettersteig ist ziemlich einfach. Das erste Stück muss man überhaupt nicht richtig klettern, man kraxelt eher so nach oben.
Aber: Es geht unglaublich tief nach unten. Und unglaublich weit nach oben. Ich habe komischerweise ziemlich Angst vor dem ganzen weiten Weg und dieser wahnsinnigen Höhe, in die es noch hoch geht. Es kommt mir irgendwie doppelt so hoch vor wie jeder andere Berggipfel, auf dem ich je war. Nach ca 20 min kann ich dann auch nicht mehr weiter. Ich hab vor allem Angst, dass ich die ungesicherten Stellen nicht mehr nach unten schaffe. Das ganze macht mir keinen Spaß mehr und ich kann nicht mal die Aussicht genießen, weil mir beim Blick ins Tal schlecht und schwindelig wird.

Und dann passiert was lustige: Mit dem Berg im Rücken und dem Wissen, dass es bergab geht ist innerhalb von 3 min meine Angst komplett verschwunden. Ich kann die Aussicht genießen und gehe den Weg einigermaßen leichtfüßig nach unten. Ich kann gar nicht mehr richtig nachvollziehen, wo vorher mein Problem war. Beim abklettern bin ich dann sogar schneller als mein Freund, der sich hier etwas schwerer tut als ich. Was für ein Unterschied! Die Aussicht ist auf einmal fantastisch und alles ist total schön und cool. Nur nach oben darf ich nicht gucken, dann kommt das flaue Gefühl im Bauch gleich wieder.
Ich bin zwar im Nachhinein enttäuscht, dass ich es nicht geschafft habe, aber es war auch eine gute und interessante Erfahrung. Man ist ja sonst seinen Ängsten nicht so ausgeliefert, und es ist wirklich gut mal zu sehen, wie sehr irrationale Angst den Körper blockieren kann. Und wie anders und leichter alles ist, wenn sie weg ist.
Ich glaube, ich war auch einfach nicht richtig fit durch die vorherigen Tagesetappe und den 3h Zustieg, da ist der Körper bestimmt noch anfällig für Angst.
Interessant fand ich auch, dass mein Freund am Abend und Morgen davor viel mehr Zweifel und „Lampenfieber“ hatte als ich. Er wollte den Klettersteig ja eigentlich gar nicht mehr machen. Bei mir kam die Höhenangst erst in der Situation, in der er dagegen völlig sicher, ruhig und angstfrei war… Wäre schön, wenn es bei mir irgendwann auch so ist 😛
Ich möchte das Klettersteiggehn auf jeden Fall nochmal ausprobieren, das nächste mal nur an einem kleineren Berg ;). Und nicht mit Muskelkater und einem drei Stunden Zustieg….
Zurück zum Weg: Uns geht dann kurz nach dem Umdrehen noch das Wasser aus und als wir um 6 Uhr endlich an der Rotwandhütte ankommen sind wir fast verhungert 🙂

Von dort geht es auf einer Wanderautobahn grade zur Paolinahütte und dann ins Tal zum Auto. Den Sonnenuntergang verbringen wir am Karer See, ein Abstecher den ich auf jeden Fall jedem empfehlen kann!
Nach einer ausgiebigen Fotosession ist es 10 Uhr und wir haben keine Unterkunft für heute Nacht… Eigentlich wollten wir am See zelten, aber das ist hier leider nicht möglich. Und da wir komischerweise wieder ziemlich wach und fit sind, beschließen wir gleich heute noch nach München zu fahren und morgen gemütlich zu Hause zu verbringen.
Tagesfazit: Neue Abenteuer wie Klettersteige sollte man mit Höhenangst lieber etwas besser planen. Der Vajolonpass war sehr anspruchsvoll, ich hätte keine Lust ihn nochmal zu gehen. Im Gegensatz dazu ist der Weg um den Rosengarten herum recht „langweilig“ und ausgetreten, ein richtiger Genusswanderweg.

Fazit
Das Rosengartengebiet ist sehr schön, und ich habe selten ein so konsistentes leuchtendes Alpenglühen erlebt.
Insgesamt hat mir allerdings etwas die Abwechslung gefehlt hat. Mir macht es mehr Spaß, jeden Tag etwas Neues zu entdecken und hier geht man quasi um ein Bergmassiv herum und hat oft die gleiche Aussicht.
Ich denke, mit ein bis zwei Tagestouren kann man das Gebiet auch sehr gut erwandern.
Anmerkung zum Vajolonpass
Eine Hüttenwirtin hat uns im Nachhinein erzählt, dass im Vajolonpass vor 1-2 Jahren während eines Gewitters einiges vom Weg abging. Der Weg war in einigen Broschüren immer noch als „einfach“ beschrieben und für Familien empfohlen, doch seit dem Gewitter ist er sehr anspruchsvoll geworden. Nur für Geübte empfohlen. Die Tour liegt nun schon einige Jahre zurück und ich kenne den aktuellen Zustand des Passes nicht. Falls zu Infos dazu hast würde ich mich über ein Update freuen!
Anmerkung: Die Tour ist von 2017. Alle Links und Informationen wurden auf Aktualität überprüft.
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